In allen Rechtsgebieten tummeln sich Mythen, die sich teils hartnäckig halten. Wir klären euch auf.

Auf Parkplätzen gilt rechts vor links

Auch, wenn Parkplatz-Schilder mit der Aufschrift „hier gilt die Straßenverkehrsordnung“ einen anderen Eindruck vermitteln:

Übliche Vorfahrtsregeln wie „rechts vor links“ gelten auf Parkplätzen nicht. Auf Parkplätzen gilt zunächst – wie auf allen öffentlichen Flächen – die Straßenverkehrsordnung (StVO). Im Gegensatz zu gewöhnlichen Straßen dienen Parkplätze aber nicht der Fortbewegung, sondern dem Parken. Da somit kein fließender Verkehr herrscht, kann im juristischen Sinne auch keine „Vorfahrt“ existieren. Stattdessen greift hier stets der erste Paragraph der StVO: Das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme. Autofahrer haben sich demnach durch Blickkontakt oder Handzeichen zu verständigen und darauf zu achten, dass niemand gefährdet oder behindert wird. Kommt es dennoch zum Unfall und der Fall geht vor Gericht, bekommen oft beide Fahrer die Schuld.

Wer auffährt, hat Schuld

Das ist oft der Fall, aber nicht immer. Wichtig für die Schuldfrage bei Auffahrunfällen ist der Grund, warum der Vorausfahrende gebremst hat. Hat er gebremst, weil beispielsweise ein Kind oder ein großes Tier über die Straße gelaufen ist, liegt die Schuld in der Regel immer beim Hintermann. Der vorausfahrende Fahrer hat hier ein größeres Übel verhindert. Bremst ein Fahrer jedoch plötzlich ohne erkennbaren Grund, verstößt er gegen § 4 der StVO. Wenn ihm dabei ein anderer hinten drauf fährt, kann ihm deshalb eine Teilschuld zugewiesen werden.

Im Winter besteht Winterreifenpflicht

Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht. Die Pflicht zur Winterbereifung ist situativ, sie tritt also erst ein, wenn es winterliche Straßenverhältnisse wie Schnee oder Glatteis erfordern.

Rechts darf nicht überholt werden

Unter manchen Umständen darf auch rechts überholt werden. So dürfen

Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 3,5t innerorts auf mehrspurigen Straßen auch rechts überholen, wenn mehrere Fahrstreifen für dieselbe Fahrtrichtung vorhanden und auch entsprechend markiert sind (§ 7 StVO).

Auch auf der Autobahn darf rechts schneller als links gefahren werden, wenn sich durch dichten Verkehr Fahrzeugschlangen auf den Fahrstreifen gebildet haben. Das gleiche gilt bei notorischen Schleichern oder Pannen auf der linken Spur. Fahrzeuge dürfen nämlich auch dann rechts überholt werden, wenn diese auf dem linken Fahrstreifen stehen oder sehr langsam (maximal 60 km/h) fahren. In diesem Fall darf allerdings nur mit 20 km/h höherer Geschwindigkeit und mit äußerster Vorsicht überholt werden.