Egal ob Smartphone, Couch oder Fernseher – wer ein Produkt kauft, darf erwarten, dass es sich in optimalem Zustand befindet und funktioniert. Defekte oder Mängel hingegen sind meist ein Fall für die Gewährleistung oder Garantie. Aber wo liegen die Unterschiede?

Gesetzliche Gewährleistung / Mängelhaftung:

Innerhalb der EU gilt bei allen Verkäufen von Neuware zwischen Kunden und einem gewerblichen Verkäufer ein zweijähriger Gewährleistungsanspruch. Schäden, die nicht selbst vom Käufer verursacht wurden, sondern schon vor dem Erwerb entstanden sind, müssen innerhalb dieses Zeitraumes beglichen werden. Ein Beispiel hierfür wäre der Kauf eines Smartphones, bei dem nach drei Monaten ein Pixelfehler am Display auftaucht – ohne dass es zuvor heruntergefallen wäre. In solchen Fällen muss der Verkäufer dir den Artikel kostenlos austauschen oder reparieren. Dafür gegebenenfalls anfallende Versandkosten trägt ebenfalls der Verkäufer. Wenn dieser die Reparatur oder den Ersatz jedoch verweigert, hast du wiederum zwei Möglichkeiten:
1. Die Ware zurückzugeben und den Kaufpreis zurückverlangen
2. Die Ware zu behalten und den Kaufpreis zu mindern

Beim Gewährleistungsanspruch gilt es zudem Folgendes zu beachten:

In den ersten zwölf Monaten kann defekte Ware meist problemlos reklamiert werden. Innerhalb dieser Zeit gilt die gesetzliche Vermutung, dass ein plötzlich auftretender Mangel schon beim Kauf vorhanden war. Die sogenannte Beweislast liegt daher beim Verkäufer – dieser muss also theoretisch beweisen, dass der Schaden durch unsachgemäßen Gebrauch verursacht wurde, wenn er die Reklamation nicht annehmen möchte. Diese Frist wurde übrigens zum Jahr 2022 auf zwölf Monate verlängert, davor lag sie bei nur sechs Monaten. Nach Ablauf der zwölf Monate erfolgt eine Beweislastumkehr. Dann muss der Käufer oder die Käuferin selbst beweisen, dass der Schaden schon vorher vorhanden war. Ohne Gutachter gestaltet sich das meist sehr schwierig.

Auch bei der gesetzlichen Gewährleistung gelten Ausnahmen. Beim Kauf von Baustoffen gilt diese beispielsweise fünf Jahre lang, statt zwei. Bei gebrauchten Waren (z.B. Gebrauchtwagen) gilt wiederum nur ein Jahr Gewährleistung – und dies auch nur, wenn die Ware bei einem gewerblichen Verkäufer gekauft wird. Beim Privatverkauf kann der Verkäufer die Mängelhaftung im Vorfeld ausschließen.

Garantie:

Die Garantie ist nicht gesetzlich geregelt, sondern wird vom Hersteller selbst bestimmt. Sie ist demnach freiwillig und richtet sich nach den individuellen Konditionen des Herstellers. Oft wird zum Beispiel garantiert, dass ein Produkt ein oder zwei Jahre funktioniert, wenn es normal genutzt wird. Entsteht dabei ein Schaden, ist es unerheblich, ob dieser vor oder nach dem Kauf entstanden ist. Er kann so oder so über die Garantie reklamiert werden.

Was gilt es bei der Reklamation zu beachten?

Wenn du einen Schaden innerhalb der Gewährleistungs- und Garantiefrist reklamierst, kannst du dir aussuchen, welches System du in Anspruch nimmst. Hierbei hat die Garantie oft den Nachteil, dass sie nur eine Reparatur oder einen Austausch vorsieht. Über die Gewährleistung kannst du hingegen auch eine Rückerstattung fordern, falls die Reparatur oder der Austausch nicht möglich oder gescheitert sind. Zudem greift die gesetzliche Gewährleistung auch bei Verschleißteilen, die von der Herstellergarantie wiederum oft ausgeschlossen sind.

In jedem Fall ist es hilfreich, immer den zweijährigen Gewährleistungsanspruch im Hinterkopf zu haben. Viele Händler versuchen, den Schaden auf den Kunden abzuwälzen, weil der „Mangel kein Garantiefall“ oder die „Garantie schon abgelaufen“ sei (z.B. nach einem Jahr). Hier kannst du dich auf die Gewährleistung berufen.