An Japans Schulen gelten mit die strengsten Regeln der Welt. Die Schulordnung regelt unter anderem die Länge der Strümpfe, Haarfarbe, Form der Augenbrauen und welche Farbe die Unterwäsche der Schüler haben darf.

Aktuell steht aber besonders eine Regelung in der Kritik, die von vielen als besonders absurd und sexistisch betrachtet wird.

Wie unter anderem der ehemalige Mittelschullehrer Motoki Sugiyama gegenüber VICE World News berichtet, dürfen Schülerinnen in Japan keine Pferdeschwänze tragen. Grund dafür sei die Annahme, dass ein entblößter Nacken die männlichen Mitschüler „sexuelle erregen“ könnte.

Die Schulbehörden seien besorgt, dass die Jungs die Mädchen anstarren. Dies sei auch der Grund dafür, dass ausschließlich weiße Unterwäsche erlaubt ist, so Sugiyama. Diese sei durch die Schuluniform nicht zu sehen und soll so ebenfalls anzügliche Blicke verhindern.

Die Regeln haben ihren Ursprung zum Teil noch im Jahr 1870, als Japan erstmals eine systematische Bildungsordnung aufstellte. In den 1970er und 1980er Jahren wurden die Regeln dann nach und nach strenger, um Mobbing und Gewalt an den Schulen einzudämmen. Zwar seien die Regeln von Schule zu Schule unterschiedlich, dennoch verfolgen sie alle dasselbe Ziel: Durch absolute Konformität soll verhindert werden, dass Einzelne herausstechen und so zur Zielscheibe werden.

Heute gelten die meisten Vorschriften als überholt und werden zum Teil erheblich von Lehrkräften und Eltern kritisiert. Asao Naito, Soziologie-Professor an der Meji-Universität, beispielsweise sieht die individuelle Entwicklung der Schüler und Schülerinnen in Gefahr. „Sexualität wird zu etwas, das nicht dem Individuum gehört, sondern zu einem Gegenstand oder einer Sache, die kontrolliert werden kann“, sagt er.

Trotz wiederkehrender Beschwerden und Aufforderungen von Seiten der Regierung weigern sich die meisten Schulen noch immer, ihre Regeln zu ändern.

Nicht jedoch alle – manche Schulen kommen den Forderungen nach und passen ihre Regeln an. Wie ein Sprecher der Hosoyamada High School in Kagoshima VICE gegenüber berichtete, habe seine Schule die Kleiderordnung gelockert. Zwar seien Pferdeschwänze und Zöpfe weiterhin verboten, aber die Unterwäsche müsse nicht mehr zwingend weiß sein. Stattdessen seien auch grau, schwarz und navy-blau erlaubt.